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Ardèche Marathon 2011 – Ein einzigartiger Wettkampf

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Viele haben bestimmt schon mal vom Ardèche Marathon gehört. Oder haben Tobias, Marco oder mich an Booten mit großen Wellenbrechern o.ä. rumwerkeln sehen. Doch welches Abenteuer steckt denn nun wirklich hinter dem ganzen Aufwand?

Eine der vielen Schleifen, die der Strom durch das Zentralmassiv zieht
Ardèche 2011

Der Ardèche ist ein Wildwasserfluss bei Avignon in Südfrankreich, welcher sich über die letzten Jahrmillionen einen tiefen Canyon durch das Zentralmassiv gegraben hat. Dies ist der Schauplatz an dem seit vielen Jahren eines der wahrscheinlich größten Freizeit-Kanu-Events Europas stattfindet. Dieses Jahr nahmen ca. 1800 Starter in den unterschiedlichsten Bootsklassen teil. Es gibt zwei Startlinien. Die kleineren Boote (Einer und Zweier) bilden mit knapp 1000 Booten den größten Teil des (Massen-) Starterfelds. Sie beginnen ihre lange Fahrt im Ort Vallon-Pont-d’Arc. Alle größeren Bootsklassen (K4-Katamarane, Dickschiffe, etc.) starten etwa 6 km stromab.

Am Morgen des Wettkampfs galt es nun unseren K2 vorzubereiten. Nummer aufkleben, Sitze und Stemmbretter einbauen, Onboard-Kamera einstellen. Was ziehen wir an?!? Das Wasser ist kalt, also mehrere Lagen Funktionsunterwäsche, Trinkrucksack, Paddeljacke, sowie Schwimmweste und Körperstartnummer. Spritzdecke, Paddel und Helm nicht vergessen. Dann ging es los. Unser Start sollte 11Uhr erfolgen. Beim einsteigen fiel natürlich erstmal das Steuerkreuz raus, weil sich die Flügelmutter während der 1400 km langen Autofahrt gelöst hatte. Also schnell wieder reinfummeln. Nach kurzer Wartezeit in der starken Flussströmung und etlichen Kollisionen mit anderen Booten kam ein Hubschrauber über die Startlinie geflogen und eröffnete den Wettkampf. Es begann eine unheimliche Wasserschlacht, als sich plötzlich alle Boote in Bewegung setzten. Während der ersten Kilometer ist man ständig damit beschäftigt anderen Paddlern auszuweichen oder sich aus gebildeten Bootstrauben raus zu hangeln. Im Nu fuhren wir in den Canyon ein und schossen durch die ersten Stromschnellen. Das war ein mords Gaudi und beim Anblick des Pont d’Arc, einem riesigen natürlichen Felsbogen, schlug das Paddlerherz höher. Schon während der normalen Stromschnellen drang ständig so viel Wasser in unser Boot, dass ich mit der Fußpumpe nicht hinterher kam. So mussten wir schon vor der Hälfte zwei Mal anhalten und Wasser auskippen, um nicht zu sinken. 

Bei etwa der Hälfte der Strecke mussten wir uns in einer Kurve kurz abstimmen, da es die lange flachere Außenvariante gab, oder die direkte, wildere Möglichkeit. Die Entscheidung viel uns nicht schwer, alles was zählt ist der Spaß! Wir nahmen die spektakuläre Strecke. Ob es die bessere Wahl war...?

Durch die Unmenge von Booten...
Ardèche 2011

...Noch mal eine kleine Bootsgruppe mit einigen schnellen Paddelschlägen überholt und rein in die Stromschnelle. Uns erfasste eine starke Rechtsströmung, die uns geradewegs auf einen Felsen zuschießen ließ. Kurz einen Paddelschlag dagegen um dem Totalschaden zu entrinnen. Doch wir stellten schnell fest, dass man gegen diese Strömung nichts unternehmen kann. Plötzlich drückte die Strömung entgegen, nach links am Felsen vorbei. Das alles geschah innerhalb weniger Herzschläge, welches kurz stockte, als sich das Boot auf die Seite legte und wir schließlich hinaus gespült wurden. Die Strömung war so stark, dass sie uns einfach über eine knietiefe Stelle drüber hinweg schob. Alle Steine an denen ich mich versuchte einzuhacken, um zu stoppen, rollten einfach weg. Plötzlich war der Boden wieder unter den Füßen verschwunden. Doch in einer Gegenströmung hinter einem großen Felsbrocken gelang es uns ans rettende Ufer zu schwimmen. Dort angekommen, stellten wir fest, dass sich bereits einige andere gekenterte Sportler sammelten. Weiterhin musste ich feststellen, dass meine Spritzdecke zu einem Reifrock geworden war – mein Süllrand war abgebrochen! Angesichts der Tatsache, dass noch viel wildes Wasser vor uns lag nicht gerade beruhigend.

So geschah, was geschehen musste. Nach einigen weiteren Stromschnellen folgte unser Untergang – im wahrsten Sinne des Wortes. Unser Boot lief voll und uns blieb keine andere Wahl als aus dem sinkenden Boot hinauszuschwimmen. Doch die Aufnahmen unserer Kamera bleiben gerade durch diese Ereignisse unvergesslich!

Im Anschluss wird der Fluss etwas ruhiger und der Canyon öffnet sich. In der langsameren Strömung überholten wir mit unserem Rennboot noch mal viele Wildwasserboote. Bei Saint-Martin-d’Ardèche quert eine Brücke den Strom, welche die Ziellinie markiert. Diese passierten wir überglücklich nach 2 Stunden und 20 Minuten.

So bot uns der Ardèche dieses Jahr ein absolut unvergessliches Abenteuer. Wenn es euch jetzt beim lesen unter den Nägeln juckt und ihr den Drang verspürt, auch mal so etwas tolles zu erleben, solltet ihr euch einfach mal bei uns melden. Vielleicht können wir ja nächstes Jahr schon mit mehreren Booten am diesem einzigartigen Marathon teilnehmen.

 

Chris

 

PS: Weitere Bilder gibt es in der Bildergalerie zu sehen.

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