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Hilfreiches Wissen rund ums Kanu

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Jedes Jahr findet beim Dresdner Schüler-Mannschaftsmehrkampf auch ein Quiz statt, bei dem die Teilnehmer beweisen können, wieviel sie über ihr Hobby wissen.

Birgit Fischer
erfolgreichste Olympionikin Deutschlands

Kanufahren macht Spaß. Dabei ist es egal, ob man  als Canadier in dem offenen Canadier fährt und mithilfe eines Stechpaddels steuert oder in einem geschlossenem Kajak sitzt und das Boot mit den Füßen lenkt.

Besonders viel Spaß macht das Training, wenn man später bei einer Regatta mit einer Goldmedaille belohnt wird. Regatten werden nämlich die Wettkämpfe genannt die Kanuten (also Canadier und Kajakfahrer) gegeneinander austragen, um zu teste wer der schnellste ist.

Dabei gibt es auf verschiedenen Ebenen verschiedene Verbände die sich um die besten, den sogenannten Kader, und die Jugendförderung bemühen. In Sachsen ist das der SKV, der Sächsische Kanuverband und in Gesamtdeutschland der DKV, der Deutsche Kanuverband.

Wenn man Glück hat, kann man vielleicht irgendwann auch zur DM (Deutschen Meisterschaft), EM (Europameisterschaft), WM (Weltmeisterschaft) oder sogar zu den Olympischen Spielen fahren. Zum Beispiel wie die erfolgreichste Kanutin Deutschlands, Birgit Fischer.

Bevor es soweit ist wird man aber wahrscheinlich noch oft Kentern, also ins Wasser fallen. Aber das ist nicht so schlimm. Wenn man baden gegangen ist, schwimmt man ans Land zurück, kippt sein Boot aus und versucht wieder einzusteigen. Ohne Steg kann das aber ziemlich schwierig sein, deshalb wenden Kanuten hier eine Technik an, die sich Paddelbrücke nennt. Dabei wird das Paddel zur Stabilisation, wie eine Brücke, auf Ufer und Boot gelegt und man kann sicherer einsteigen.

Geschichte des Kanus

  • erfunden wurde das Kajak in Grönland, damals aber noch "Qajak" genannt
  • ursprüngliche Kajaks wurden aus Knochen, Holz und Tierfellen gebaut
  • im 16./ 17. Jahrhundert kamen die Kanus zu uns nach Europa
  • die ersten Rennen in diesen Booten fanden 1862 statt
  • 1936 wird Kanurennsport Olympisch
  • die erste Kanu WM findet erst 1938 in Waxholm (Schweden) statt

Das Training

Kentern

Kanu ist eine Ausdauersportart. Das bedeutet eine Menge Training, um schnell und effektiv fahren zu können. Unterschiedlich ist beim Training dabei, ob man auf fließendem (Flüsse wie zum Beispiel die Elbe) oder aber stehenden Gewässern (Seen oder Talsperren) fährt. Auf stehenden Gewässern findet man oft gute Wettkampfbedingungen, weshalb auch viele Regatten auf solchen ausgetragen werden.

Wenn man allerdings keinen See vor der Haustür hat, muss man mit einem Fluss vorlieb nehmen. Wenn man hierauf fährt, muss man auf verschiedene Besonderheiten des Flusses achten. Beispielsweise die Strömung. Fährt man am Land, kommt man schneller voran, als in der Mitte und beim An- und Ablegen muss man beachten, dass der Bug des Bootes stromaufwärts zeigt, damit man das Boot besser unter Kontrolle hat und es so nicht wegtreiben kann.

Natürlich fährt man im Training auch verschiedene Strecken und diese wiederum in verschiedenen Frequenzen (wie viele Paddelschläge fährt man innerhalb einer Minute).  Zur Vereinfachung werden diese in bestimmte Bereiche gegliedert:

  • Zweier
     Kurzstrecken (also zum Beispiel 200 m) fährt man im SA2-Bereich (SchnelligkeitsAusdauer 2). Das bedeutet man fährt die ganze Strecke so schnell wie man kann, mit einer hohen Anzahl von Paddelschlägen. 
  • 500 m bis 1000 m fährt man dann im SA1-Bereich (SchnelligkeitsAusdauer 1). Die Schlagzahl geht ein wenig herunter, damit man die Strecke auch durchhält. Dafür versucht man kräftiger zu paddeln. Ein ordentlicher Start und Endsport sind aber natürlich trotzdem Pflicht.
  • Bis zu 6.000 m fahren wir dann im GA2-Bereich (GrundlagenAusdauer 2). Dabei wird die Schlagzahl wieder ein wenig erniedrigt, um die lange Strecke durchzuhalten. Es wird jedoch mit extrem viel Kraft gefahren, um dennoch schnell voran zu kommen.
  • Alle längeren Strecken im Training werden schließlich im GA1 Bereich (GrundlagenAusdauer 1) gefahren. In diesem Bereich fährt man zwar die niedrigste Schlagzahl, allerdings darf man es nicht mit herum Gondeln verwechseln. Man setzt jetzt enorm viel Kraft ein, um das Boot voran zuschieben und diese große Distanz zu bewältigen.
Start für 10.000

Am Ende des Trainings fahren wir uns dann locker, im KB Bereich, aus. Hier wird nur eine minimale Kraft eingesetzt, um das Boot noch an den Steg zu fahren. Es ist aber trotzdem wichtig eine exakte Technik zu fahren, damit die belasteten Muskelgruppen von der hohen Belastung zur Entspannung gebracht werden. So bleibt der Muskelkader am nächsten Tag aus.

Wird im Mannschaftsboot, also Zweier oder Vierer trainiert, muss man auf den Paddelschlag des Vordermannes achten. Nur wenn das Boot im Gleichschlag paddelt, also alle Sportler gleichzeitig das Paddel einsetzen und ziehen, kann das Boot Geschwindigkeit aufbauen.

Das Material

Als Kanute sollte man natürlich genau wissen, mit was man es eigentlich zu tun hat und auch wichtige Teile des Bootes bennen können.

Aufbau eines Kajaks Aufbau der Paddel
Aufbau Boot
Aufbau Paddel
Das Material das meist verwendet wird um schnelle Wettkampfboote und leichte Paddel zu bauen heißt Carbon.

Regeln und Gesetze

Beim Paddeln auf Gewässern ist man als Kanute selten allein. Um Unfälle zu vermeiden gibt es einige Regeln zum Umgang miteinander. Es gilt:

Windkraft vor Muskelkraft vor Motorkraft

Dies bedeutet, dass Segelboote Vorfahrt vor Kanuten haben und Motorboote wiederum Rücksicht auf Kanuten nehmen müssen. Allerdings gibt es auch Ausnahmen:

Berufsschifffahrt hat immer Vorfahrt

Vor Dampfern, Schleppern oder Fähren muss also der Kanute ausweichen, auch wenn diese über Motoren betrieben werden. Die sind ja auch viel größer als wir ;)

Und natürlich zu guter Letzt:

Sichere Kanuten nehmen Rücksicht auf Paddelanfänger

Wettkampfregeln

Um bei Wettkämpfen möglichst gleiche Voraussetzungen für alle zu schaffen, gibt es Vorschriften wie lang ein Boot sein darf und wieviel es wiegen muss. Dabei werden die Boote mit allem gewogen, was fest im Boot befestigt ist. Und ohne eventuell eingedrungenes Wasser. Die Mindestbreite wurden 2001 abgeschafft, um neue Bestzeiten zu ermöglichen.


K1
K2
 K4 C1
C2
C4
C8
Mindestgewicht
12 kg
18 kg
30 kg
14 kg*
20 kg
 30 kg
---
Mindestlänge
5,2 m
 6,5 m
 11,0 m
5,2 m
 6,5 m
 9,0 m
 11,0 m

* seit 2015, zuvor lag das Mindestgewicht bei 16 kg

Außerdem gibt es auch noch Beschränkungen zu den mitgeführten technischen Hilfsmitteln im Boot. Verbotene Gegenstände in Kanurennsportbooten sind beispielsweise:

  • Geschwindigkeitsmesser
  • Belastungsmessgeräte
  • Herzfrequenzmesser
  • Uhren

Der Wettkampf

Vor einem Rennen muss der Sportler überprüfen, ob sein Boot und das Paddel den Regeln entsprechen und alles in Ordnung ist. Dazu gehört auch die Sitzeinstellung zu prüfen, sowie die korrekte Boots- und Rückennummern zu tragen.

Große Brandenburger

Als nächstes muss man sich erwärmen, um die Muskeln auf das Rennen vorzubereiten und so eine optimale Leistung erbringen zu können.

Im Mannschaftsboot gilt außerdem die gleiche Kleidung zu tragen. Canadier müssen auch gleichfarbige Hosen tragen,  bei Kajakfahrern reicht Oberbegleitung der selben Farbe aus. Wichtig ist, dass entweder alle oder keiner Mützen oder Sonnenbrillen tragen.

Schwimmwesten oder Spritzdecken gelten als Hilfsmittel und müssen nicht gleich sein.

Vor dem Start werden die Teilnehmer beim Vorstart aufgerufen und ordnen sich entsprechend ihrer Startnummer ein.  Daraufhin wird zum Start vorgefahren. Überfährt man die Startlinie vor dem offiziellem Start, bekommt man eine Verwarnung. Bei der zweiten Verwarnung gilt man als disqualifiziert und darf nicht mehr am Rennen teilnehmen.

Die Olympiade

Aller vier Jahre finden die olympischen Sommerspiele statt, bei denen sich auch die Kanuten der Welt miteinander messen. Der Traum eines jeden Sportlers ist es natürlich olympisches Gold zu gewinnen. Aber um überhaupt erst einmal starten zu dürfen, muss man sich gegen die Konkurenz aus dem eigenen Land durchsetzen. Zu diesem Zweck werden am Anfang des Jahres Sichtungen durchgeführt. Bei denen die Elite der deutschen Kanuten zusammentrifft, um zu schauen welche die Besten sind und in die Nationalmannschaft gehören. Ist man in der Nationalmannschaft, darf man an verschiedenen Trainingslagern teilnehmen und wird vielleicht ausgewählt zur EM oder WM zu starten. Bei diesen internationalen Regatten kann sich die deutsche Mannschaft Startplätze für die Olympischen Spiele erkämpfen. Haben sie es geschafft ist dieser Platz für Deutschland gesichert, der Sportler jedoch kann noch ausgetauscht werden. Sportler, die es jetzt noch nicht geschafft hatten eine Strecke für Deutschland fahren zu dürfen, haben noch eine letzte Chance.

Nicht alle Strecken sind auch Olympisch. Zu den Olympischen gehören:

Kajak Herren Kajak Damen Canadier Herren
200 m K1, K2
200 m K1
200 m C1
 1000m K1, K2, K4  500 m K1, K2, K4  1000 m C1, C2

Diese Strecken gelten ab 2012. Die 500 m der Herren entfiel.

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