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Drawa 2008

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Bereits 2005 und 2007 hatte ich dank Jens Kaltofen eine schöne Paddeltour auf der polnischen Drawa erlebt. Da ich dieses Erlebnis auch anderen Leuten vermitteln wollte, organsierte ich für Mitte Mai 2008 eine solche Tour für einen Teil unserer Vereinsmitglieder.

In Fahrgemeinschaften machten sich so 16 Paddler und Nichtpaddler gen Osten auf, um ihr Flussabenteuer zu erleben. Die Anreise via Stettin nach Czaplinek (rund 500 km ab Dresden) war inkl. Rast binnen 6 Stunden absolviert. Kurz nach 18 Uhr kamen die Letzten auf dem Zeltplatz am Rande des Drawskosees an. Sofort bildeten sich Einkaufsgrüppchen zum Sturm auf die örtlichen Skleps (kleine Einkaufsläden), um alle überlebenswichtigen Dinge einzukaufen. Später saßen wir dann im einheimischen Dönerladen und bescherte den Inhabern einen stressigen Grillabend.

Start der Paddeltour - Fahrt über den Drawsko See

Am nächsten Morgen kam pünktlich der Kanuverleiher mit den georderten Zweier-Seekajaks, Paddeln und Schwimmwesten. Auch wenn wir für den Nachwuchs eigene Schwimmwesten mit hatten, mussten wir pro Boot mindestens eine Weste gut sichtbar mitführen. Es hat zwar niemand kontrolliert, denn außer einem einsamen Segler gleich zu Beginn unserer Tour, haben wir auf unserer Fahrt keinen Paddlern oder Kontrolleuren getroffen.

Für die Nichtpaddler begann der erste Tag gleich anstrengend. Um zur Drawa zu gelangen, musste erst einmal gut 10 km über den Drawskosee gepaddelt werden. Für Paddler nicht unbedingt ein Problem, doch für all diejenigen, die das erste Mal in einem Kajak ohne Steuer sitzen, eine Leistung. Irgendwann war es geschafft und wir erreichten das weiße Zeichen (vor hellem Schilf), dass den Abfluss des Sees kennzeichnet. Doch bevor es auf den ersten Flussabschnitt ging, machten wir auf einer kleinen Lichtung am Ufer ein Pause.

Von nun an unterstützte uns die Strömung der Drawa, die ich auf gut 2-3 km/h schätze. Am Oberlauf ist die Drawa glasklar, mit steinigem Untergrund, etwa 5m breit und bis zu 2 m tief. Später verschlammt der "Fluss" immer mehr, nicht zuletzt durch die Einspülungen und die Erosionen der umliegenden Felder. Manchmal lagen Bäume im Wasser, die ein "obendrüber" oder "untendurch" erforderten.

An einer malerischen, verfallenen Mühle mussten wir das erste Mal umtragen, was aber glücklicherweise nur selten notwendig war. Das Ziel der ersten Etappe war die Wasserwanderstation in Złocieniec. Hier konnte wir neben der Stadion zelten und für wenig Geld (1 Euro je Nacht und Person) die sanitären Anlagen benutzen.

Delia und Rainer

Am nächsten Morgen war die Fahrt vorerst nur kurz. Ein massiver Eisenträgers vor einer Brücke versperrte den Weg, um die Weiterfahrt über eine gefährliches Wehr zu verhindern. So mussten alle Boote über eine Hauptstraße getragen werden. Perfekt ausgebaut wartete auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine breite Holztreppe auf die Paddler. Hier befand sich auch ein "Wandgemälde", welches an die Paddeltouren des Kardinal Karol Wojtyła, dem späteren Papst Johannes Paul II., erinnerte, welche dieser in den 50iger und 60iger Jahren auf dem Fluss unternahm. Binnen weniger Minuten waren alle Boote wieder im Wasser und so verließen wir Złocieniec.

Von nun an ging die Route größtenteils durch Felder und Wiesen. Die hohe Böschung erlaubte kaum einen Blick in die Landschaft. Die Wasserqualität ließ leider etwas nach, denn Müll und Abwässer werden auch heute noch, wie bei uns, ohne Bedenken dem Fluss anvertraut.

Das tat unserer Fahrt aber keinen großen Abbruch, denn unterwegs trafen wir, bis auf radelnde Dorfbewohner am Horizont, auf keine Menschenseele. Dafür konnte man große Kolonien von Uferseeschwalben, die ihre Nester in die sandige Flussböschung gegraben hatten, Dutzende Störche, Rohrdommeln, Bachstelzen und vielerlei andere gefiederte Freunde entdecken. Am Ufer waren auch deutliche Spuren von Bibern zu sehen.

Am Nachmittag erreichten wir Drawsko Pomorskie. Leider fanden wir die hiesige Wasserwanderstation nicht. So paddelten wir weiter bis zur nächsten Umtragestelle, dem Wasserkraftwerk bei Jankowo. Dort nutzten wir eine Freifläche, um unsere Zelte aufzuschlagen. Das angeschwemmte Treibholz ermöglichte ein schönes Lagerfeuer am Abend.

Wo geht es hier lang?

Am nächsten Morgen wurden nach einem ausgiebigen Frühstück die Boote einfach ein paar Meter weiter zur Einstiegsstelle getragen und auf ging es zur letzte Etappe. Anfangs ließen uns die vielen Biegungen und Hindernisse, zahlreiche Bäume, Sträucher und Äste versperrten einem immer wieder den Weg, nicht frösteln. Bei der Suche nach dem besten Weg hatte so manch Paddler am Ende eine schöne Sammlung einheimischer Blüten, Blätter und Spinnen eingesammelt, wie einige Fotos nachträglich beweisen. Doch auch beim einfachen Beobachten der mehr oder weniger gelungenen Ausweichversuche hatten alle ihren Spaß.

Am späten Mittag erreichten wir den Lubiesee. Das Himmel war mittlerweile bewölkt und die auf dem See machte sich mehr und mehr unangenehmer Wind bemerkbar. Eine kurze Rast auf einer Halbinsel vor dem Hauptsee sollte alle Paddler vor der Seequerung stärken. Doch mehrheitlich beschloss man, den See nicht, wie ursprünglich geplant, zu überqueren. So wählten wir den bequemen Weg nach Gudowo, wo wir am frühen Nachmittag an einem privaten Camping/Wassersportstützpunkt ankamen. Unsere Tour verkürzte sich damit um gut 10 km.

Ruck, zuck waren die Zelte aufgebaut und die Lage gepeilt. Auch hier gab es im Ort einen Sklep, der das Notwendigste verhieß: Kekse, Gurken, Wasser, Kuchen und Tyr Bier. Einige von uns warfen die Kocher an und bereiteten warme Getränke und Suppen zu. Andere betätigten sich als Holzsammler für das abendliche Lagerfeuer. Telefonisch wurde der Bootsverleiher über unseren geänderten Standort informiert, der wenig später sein Equipment wieder in Empfang nahm und die Fahrer unserer Autos, die wir auf dem Campingplatz in Czaplinek abgestellt hatten, zu ihren Fahrzeugen brachte. Schon bald loderte das Feuer und bei einem grandiosen Sonnenuntergang über dem See schwatzten wir bis spät in die Nacht.

Am nächsten Vormittag verließen wir mir Bedauern die schöne Gegend und fuhren wieder nach Hause. Zum späten Nachmittag waren alle gutbehalten in Dresden angekommen.

Die Gespräche über diese Tour lassen nur einen Schluss zu: Nächstes Jahr paddeln wir wieder in Polen, dann vielleicht auf der Pilawa.

 

Gruß Frank

 

Kosten:

  • 3 Tage ein 2er Seekajak inkl. Transfers je Nase: 21 Euro
  • Kosten der Fahrgemeinschaft: anteilig ca. 20 Euro je Mitfahrer
  • Kosten pro Nase an der Einkaufskasse des Schatzmeisters: ca. 40 Euro

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Kontakt

Reinhard "Hardy" Schier

Gruppenchef