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Gwda 2011

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Nach einer gewissen Abstinenz machten sich Pfingsten 2011 wieder ein paar Wasserwanderer der LPG Dresden auf, polnische Flüsschen zu erkunden. Dieses Mal war die Gwda an der Reihe: der östlichste Fluss (neben Drawa, Pilawa, Brda), der das Urstomtal der Pommersche Seenplatte entwässert und nach 145km in die Notec (Netze) mündet.

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Dank Jörg, der leider nicht selbst teilnehmen konnte, verlief die organisatorische Vorbereitung problemlos. Nach knapp 530km ab Dresden parkten wir am 08.06 (MIttwoch) vor dem Kaufland in Szczecinek ein. Positiver Nebeneffekt: ein EC Automat und viele auf Deutsch beschriftete Lebensmittel machen es auch Sprachlegasthenikern einfach ;-) So wurden erst einmal große Körbe an Lebens- und Genussmitteln in die Autos verladen, bevor wir unseren Startpunkt, Camping Orawka am Wierzchowo See, anfuhren. Der Abendhimmel verhieß erst einmal nichts Gutes, so dass wir doch 2 der reichlich vorhandenen massiven Hütten anmieten. Fast auf die Minute püktlich lud Waldemar, unser Bootsverleiher, die bestellten PET Seekajaks ab. Ein lustiger und entspannter Abend folgte. 

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Etwas verkatert (NIEMALS Wodka mit Cola trinken!) beluden wir am Folgetag die Boote und gingen an den Start. Unsere Strecke sollte knapp 45km (in 4 Tagen) betragen, aber Kartenmaterial für die Gwda ist Mangelware und der extra gekaufte DKV Paddelführer war auch nicht sonderlich hilfreich. So wussten wir nicht wirklich, was uns erwartete und planten eher mehr Zeit ein. Wir kamen aber schnell voran und überquerten problemlos während einiger kurzer Nieselschauer den Wierzchowo & Smolesko See. Dann ging es wieder auf den "Fluss" und durch wunderschöne (und völlig menschenleere) Gegenden. Eigentlich wollten wir an diesem Tag nur im Dorf Spore "nachtanken" und noch weiterfahren, hatten aber unsere Paddelleistung an diesem Tag etwas überschätzt. Denn die etwas ungenauen Beschreibungen machten es schwer, einzuordnen, wo wir wirklich waren. So endete dieser Tag dann doch am einzigen bewohnten Ort: am Skleb in Spore. Einige hundert Meter weiter gab es auch hinter einem Umtrageplatz am verfallenen Wehr einen Biwakplatz, so dass sich spontan eine Feuerholzgruppe bildete, die Kocher angeworfen und die Wäscheleine gespannt wurde. Ein ruhiger und trockener Abend folgte. 

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Der nächste Tag sollte angeblich anstrengend werden: andere Paddler hatten für die folgenden 3km von Spore bis zum Wilimie See 4h benötigt. Aber problemlos umschifften oder umtrugen wir die Hindernisse, keine versumpften Stellen erschwerten unser Vorwärtskommen. Aber es gab wunderschöne Erlebnisse mit Eisvögeln, Reihern und Kormoranen- und ein riesiger Biberbau kurz vorm Vilmsee zwang uns noch einmal aus den Booten- untendurch & obendrüber war angesagt. Die Überfahrt über den Wilimie (Vilmsee) hatte es aber in sich. Massiver Rückenwind um ca. halbmeterhohe Wellen ließen uns nur eine Chance: wie verrückt paddeln, schnell sein und nach Möglichkeit auf den Wellen surfen. Oder absaufen. Auch am Ufer waren die Wellen kaum niedriger aber im Nachhinein hätte man sicher nicht direkt mitten über den See fahren müssen. Doch kaum 1h später hatten wir den knapp 7km langen See überquert und glücklich das Ried am anderen Seeufer erreicht. Nur 2-3 Kitesurfer (die einzigen Wassersportler in 5 Tagen, die wir zu Gesicht bekamen) waren Zeugen dieser Glanzleistung. Hier bei den Örtchen Gwda Mala und Gwda Wielka sollte es auch einen Biwakplatz geben. Aber gegen die Wellen oder quer zu diesem mochte keiner von uns paddeln, so dass wir gleich den Ausfluss des Sees anpeilten und weiterfuhren. Freundlich wurden wir auch Gwda Wielka begrüßt und durch private Kleingärten zum nächsten Boxenstopp am Sklep gelotst. Man muss halt Prioritäten setzen! Dann ging weiter und irgendwo mitten im Wald schlugen wir dann unser Lager auf. Trockenes Holz gab es ohne Ende: leider auch Mücken. Aber wieder verbrachten wir einen tollen stimmungsvollen Abend am Lagerfeuer bei Lech Bier und Tütensuppe mit extra Knoblaucheinlage. 

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Tag 3 begrüßte uns wieder mit strahlenden Wetter und bester Laune. Wir wussten zwar nicht ganz genau, wo wir waren, aber wir hatten ja schon ausreichend km gemacht, um gelassen zu starten. So waren die nächsten Stunden eine eher gemächliche Fahrt mit Hauptaugenmerk auf Genuss, sich mal treiben lassen und Tiere beobachten. Natürlich gabe es wieder einige Hindernisse im Fluss und jedes Team hatte so seine Taktik, diese zu überqueren. Aber manche waren schon so "abgebrüht", dass man die Hindernisse rückwärts durchfahren wollte- um möglichst weit in der internene Punktwertung vor zu liegen. Mit viel Spass und maximaler Entspannung erreichten wir schon an diesem Tag unseren Endpunkt, das Kraftwerk in Lubnica. Übereinstimmend hatten Paddler berichtet, dass es ca. 400m nach der Umtragetelle einen sehr viel schöneren privaten Biwakplatz gäbe. So begab sich ein Boot auf Vornewegaufklärung während die anderen Paddler wieder einmal zum örtlichen Sklep aufbrachen. Der Biwakplatz erwies sich wirklich als viel schöner und aufgeräumt- und menschenleer. Also parkten wir hier ein und schlugen unsere Zelte auf. Unser Einkauf im Ort hatte sich blitzschnell herumgesprochen und jemand hatte auch den Besitzer des Biwakplatzes informiert. Der war mehr als erfreut, uns zu sehen. Denn offensichtlich hatte man ihn ein wenig von den Touristen "abgeschnitten" (wer biwakiert auch schon NACH einer Umtragestelle). Auch der Strom war gekappt worden, aber mit Wasser aus der Regentonne konnten wir auch ganz gut leben. Der Platz war wirklich schön angelegt, durchdacht mit Köhlerhütten und Plumpsklo ausstaffiert- und wie gesagt menschenleer. Um die 5 Wachhunde (von 10-60cm Schulterhöhe) von uns fernzuhalten und sicherzustellen, dass es uns an wirklich nichts fehlte, lies es sich der freundliche polnische Opa nicht nehmen, auch auf dem Biwakplatz in der alten Mühle zu schlafen. Zu später Stunde liess er uns immer wieder gute Sachen zukommen: ob wohl die Schubkarre mit Holz reicht, oder das Feuer vielleicht auch 2m hoch sein dürfe? Und reicht eine Flasche leckerer Wodka oder darf es noch ein Gläschen eingelegte Pilze mehr sein? 

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Am nächsten Morgen schliesslich kam er und brachte uns sogar noch süsses Pfingstgebäck zum Frühstück- das sicherlich eher für Kinder und Enkel gedacht war. Die Gastfreundschaft und Freundlichkeit der Menschen dort hat uns wieder einmal mehr beindruckt. Wir hatten abgestimmt, dass wir unseren gewonnen "freien" Tag nicht am Fluss sondern an unserem "Sturmsee" verbringen wollten, denn an den Ufern des Jezioro Wilimie waren uns nahezu endlose Strände aufgefallen. Flexibel kam also Waldemar schon einige Stunden früher angebraust, um seine Boote wieder entgegenzunehmen und uns zu den geparkten Autos im Camping Orawka zurückzubringen. Schnell waren die Sachen in den Autos verstaut und machten wir uns zum Jezioro Wilimie auf. Das schöne Wetter hatte aber auch einige Familien und ein Wasserscooter an denn See gelockt, so dass wir erst einmal faul auf den Isomatten lagen. Erst gegen Abend marschierte ein Trupp los, um im nahen Wäldchen Holz zu sammeln, während die Anderen wild die Zelte aufstellten. Mit einer zeltenden polnischen Kleinfamilie wenige Meter weiter entbrannte am späten Abend ein interner Wettkampf um das schönste Lagerfeuer. Aber obwohl der Herr des Hauses mit hellen Schutzhandschuhen und einer richtigen Axt in den Wald trabte (unser größtes Werkzeug dagegen: ein Schweizer Offizierstaschenmesser mit Säge ca. 6cm lang), vermochte man nicht gegenzuhalten und der Punkt ging klar an die Niemezkies. Wir hatten ein schöneres Feuer, weniger Qualm und deutlich mehr Spass am Wettkampf. 

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Aber am nächsten Morgen konnten auch unsere polnischen Nachbarn wieder lächeln und nach einem kräftigen Frühstück nahmen wir die Heimreise in Angriff. An der Grenze wollten wir unsere letzten Schloten ausgeben und forderten noch einmal den vollen Einsatz der Tankstellenverkäuferin. Denn nicht weniger als 5 Einkäufe waren nötig, um auch den letzten Rest der Gemeinschaftskasse auszugeben. Aber irgendwann war das Geld alle, die Autos betankt und die Fahrzeuginnenräume mit Colaflaschen, Snickers und Keksen vollgestellt. Am Abend des Pfingsmontags waren wir dann wieder wohlbehalten in Dresden zurück. 

Fazit: 2012 geht es auf die Pilawa!

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Reinhard "Hardy" Schier

Gruppenchef