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Hiddensee Umrundung als Tagestour

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oder: ein Döner auf Hiddensee

Der Sommer verabschiedet sich mit sonnigen aber schon merklich kühlen Tagen. Gute Bedingungen, um eine Umrundung der Insel Hiddensee mit Seekajaks zu wagen. Wir befinden uns am Ausgangspunkt unserer Reise, dem Campingplatz Schaprode bei welchem wir die Kajaks praktischerweise direkt am Wasser lagern können. Bei der nächtlichen Anreise wurden wir mit einem sternenklaren Himmel belohnt, welcher einen eindrucksvollen Blick auf die Milchstraße bot. Allerdings sanken die Temperaturen in der Nacht dadurch auf einen niedrigen, einstelligen Bereich und wir sind froh selbige nicht im Zelt sondern in Micha's komfortablen Wohnwagen verbracht zu haben.

Die fünf Gefährten

Der Schaproder Bodden breitet sich ruhig und windstill vor uns aus. Die morgendliche Wetterlage verspricht eher eine gemütlichen Wochenendtour denn wildes Wellenreiten aber man weiß ja nie. Noch etwas müde aber durchaus frohgemuth blinzeln die fünf wackeren Wanderpaddler in die morgendliche Sonne und machen sich daran ihre Seekajaks zu beladen. Gemeinsam wollen wir versuchen, die Insel Hiddensee an einem Tag zu umrunden. Ob wir das schaffen, wissen wir nicht. Unser Plan besteh zunächst darin drauflos zu paddeln und zur Tagesmitte zu entscheiden welcher Herausforderuhng wir uns letztlich stellen. Wir wissen also schon mal nicht genau wie lange wir unterwegs sein werden. Also nehmen wir lieber ein paar Fischbrötchen mehr mit und auch eine Gemüsetasche vom türkischen Schnellimbiss findet den Weg in die Gepäckluke.

SurfSki
jetzt braucht's nur noch Wellen…

Während die einen noch packen können sich die anderen des Spieltriebs nicht mehr erwehren und so wird der neu erworbene Surfski in der Hafenbucht getestet. Die ein- und ausfahrenden Fähren versorgen uns mit respektablen Heckwellen um den Surfski gemäß seines eigenlichen Zwecks, dem surfen, zu bewegen. Etwas wackelig fühlt es sich zunächst schon an. Sobald man aber den Surfski in die Welle manövriert, schiebt sich dieser wie von Zauberhand mit ungeahntem Vortrieb voran. Wow, ein unbeschreibliches Gefühl auf diese Weise mit der Kraft des Wasser zu spielen. Doch nun ist es Zeit sich der Tagesmission zu widmen.

Alle und alles ist nun vorbereitet und wir stechen kurz nach 10 in See. Da uns der Wind keinen Vorteil bietet, entscheiden wir uns die Südströmung auf der Ostseite der Insel zu nutzen und starten in nordöstlicher Richtung um unsere Umrundungsroute entgegen dem Uhrzeigersinn zu beginnen. Wir passieren zur rechten den Seehof, zur linken die Fährinsel und halten den Kurs nördlich auf Hahnentiefschaar. Nach etwa einer Stunde verlassen wir den Schaproder Bodden und lassen die Halbinsel Bug rechts von uns. Die Ostsee breitet sich vor uns aus und in der Ferne können wir schon die Steilküste an der Nordspitze Hiddensees erahnen. Nach ungefähr 100 Minuten erreichen wir die Steilküste Dornbuschkliff. Das Wasser ist unglaublich klar und ermöglicht Sicht bis in 5m Tiefe. Auf Höhe des Toten Kerls nimmt der Seegang leicht zu und einige Untiefen mahnen uns zur Vorsicht. Wir befinden uns nun auf offener See und steuern entlang des Ostküste mit südöstlichem Kurs. Der Dornbusch Leuchtturm weist uns den Weg und mittlerweile wäre eine Pause willkommen. Nach 2 Stunden haben wir 15km Strecke zurück gelegt und erreichen die Hucke. Hier gönnen wir uns auf dem Meer treibend einen kleinen Snack und genießen den exklusiven und ungestörten Blick auf Hiddensee. 

Mit festem Paddelschlag arbeiten wir uns nun weiter nach Süden in Richtung Vitte voran. Wären nicht die wenigen Besucher am Strand, hätten wir ob der etwas eintönigen Dünenlandschaft kaum Anhaltspunkte um unser Vorankommen zu bestimmen. Das Paddel scheint sich nunmehr noch zäh durch das Wasser ziehen zu lassen. Zeit für eine Pause. Nach etwa 3 Stunden und 20 km landen wir am Strand gegenüber der Fährinsel an. Der Gleichgewichtssinn vermisst sofort das ständige auf und ab und lässt so manchen trotz festen Boden unter den Füßen etwas schwanken.

Strandpause auf Hiddensee
Na spürst Du die Füße noch? Nee…
Ein Döner auf Hiddensee
hmmmm, lecker (und verdient)

An dem fast menschenleeren Strand machen wir uns gierig über die Fischbrötchen her und David freut sich über den historischen Moment am hiddenseer Strand einen Döner zu genießen. Das Wetter meint es gut mit uns und nun gilt es zu entscheiden: umrunden oder abkürzen? Ein Blick auf die Karte suggeriert, dass wir bereits die Hälfte der Strecke bewältigt haben. Ein Trugschluss, wie sich später zeigen wird. Es ist 14 Uhr und es sind noch 5 Stunden bis Sonnenuntergang. Das sollte locker zu schaffen sein! Also beschließen wir die Umrundung anzugehen und machen uns zur Weiterreise bereit. Beim Wiedereinstieg zeigt sich eine Tücke des extrem niedrig-volumigen Ilaga Grönland Kajaks. Trotz des nur sehr leichten Wellengangs ist es David nicht möglich in sein Boot zu steigen ohne sein Cockpit mit einigen überschwappenden Wellen zu wässern. Nach einigen Versuchen findet er sich damit ab in einer Pfütze sitzen zu müssen. Es bleibt ein Rätsel wie die Inuit bei Wellengang trocken solch ein tief liegendes Boot bestiegen können.

Wir folgen der scheinbar endlosen Strandlinie und peilen das weithin erkennbaren Leuchtfeuer Gellen in südlicher Richtung an. Neben vereinzelt auftauchenden Ferienhäusern bieten gelegentlich Wellen kreuzender Motor- und Segelboote etwas Abwechslung entlang dieses etwas einsam wirkenden Streckenabschnitts. Nach weiteren 10 km emsiger Paddelei erwartet uns der Gellenstrom an der Meerenge zwischen der südlichen Spitze Hiddensees und der kleinen Insel Bock. Der Gellenstrom schiebt die Wassermassen aus dem Bodden nach Norden und wir müssen ordentlich zupacken damit es nicht rückwärts geht. Hier nimmt auch der Schiffsverehr stark zu und sorgt für Amüsement ob der Wellen welche zum Spielen einladen.

Sonnenuntergang im Schaproder Bodden
Still wie ein Ententeich…

Nachdem wir uns etwas weiter in den Bodden vorgearbeitet haben erspähen wir im Süden die etwa 15 km entfernte Rügendammbrücke. Zahllose Vögel beobachten uns skeptisch, bewegen wir uns doch am Rande ihrer weitläufigen Schutzzone. Diese müssen wir nun umfahren weshalb unsere Route uns weiter Richtung Süden leitet und somit zusatzliche 8km Paddelstrecke beschert. Wir befinden uns nun seit etwa 7 Stunden auf dem Wasser und die Freude über dieses Zusatztraining hält sich in Grenzen. Mittlerweile neigt sich der Tag dem Ende zu und es beschleicht uns die Frage ob wir unser Ziel noch bei Tageslicht erreichen werden. David paddelt in heller Freude etwas voran in dem Glauben den Zielcampingplatz vor der Nase zu haben. Beschwingt vom Endspurt nähert er sich dem Ufer um festzustellen, dass wir uns auf Höhe des Suhrendorfer Campingplatzes befinden. Wir wissen nicht genau wie weit es noch bis Schaprode ist und wollen es im Moment auch gar nicht so genau wissen. Die Dämmerung kündigt sich bereits in der Ferne an und wir haben nun nur noch das Ziel vor Augen unseren Campingplatz zu erreichen.

Hiddensee Umrundung mit dem Kajak - Route
Einmal rum und schon ist's dunkel…

Der Wind flaut immer mehr ab und einsetzende Dämmerung taucht den Bodden in magisches Licht. Ein Fischerboot patrouilliert einsam zwischen den Reusen um die Fangnetze zu kontrollieren. Die letzten Fähren steuern in ihre Häfen und nun breitet sich das spiegelglatte Wasser im Abendlicht vor uns aus. Durch das nachlassende Licht lässt sich schlecht abschätzen wie weit der verheißungsvolle Campingplatz noch entfernt ist. Die Durchschnittsgeschwindigkeit hat gefühlt beträchtlich zugenommen, der wärmende, trockene Wohnwagen zieht uns offenbar magnetisch an. Ohne es zu wissen, schieben wir uns an der Insel Öhe vorbei hinter der dann überraschend Schaprode, unser mittlerweile heiß ersehntes Ziel auftaucht. Das Zentralgestirn scheint zufrieden mit unserer Leisung und verschwindet quasi im selben Moment hinter dem Horizont. Nach rund 9 Stunden haben wir etwa 50km zurück gelegt. Wir sind froh die Umrundung gemeinsam bewältigt zu haben aber auch ausgelaugt. Welche Herausforderung kommt als nächstes?

Ilaga - Low Volume Grönland Kajak
Wie komm ich da nun rein?

Am nächsten Morgen haben wir vor der Abreise noch etwas Zeit gegenseitig unser Bootsmaterial zu testen. Natürlich wird der SurfSki eifrig bepaddelt und die Fähren bieten mit ihren Heckwellen wiederum eine geeignete Spielwiese. Katrin möchte erfahren wie es sich anfühlt in einem echten Low-Volume-Grönlandkajak zu paddeln und steht erst mal vor der Herausforderung in das Cockpit durch die enge Ocean-Luke schlüpfen zu müssen. "Nur Mut. Wenn Du erstmal drin bist, passt das Ding wie ein Turnschuh!" muntert David auf. Und tatsächlich lässt sich dar Ilaga erstaunlich agil bewegen. Allerdings muss auch David zugeben, dass der Ilaga für die gestrige Tour ob der Dauer nur bedingt geeignet ist da man die Beine so gut wie gar nicht bewegen kann. 

Unser Wanderausflug ist nun zu Ende und wir diskutieren noch über die ganze Fahrt welche Tour wir als nächstes in Angriff nehmen. Vielleicht mal von Trondheim nach Oslo?

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Kontakt

Reinhard "Hardy" Schier

Wasserwanderer Dresden
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