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Sommerzeit - Paddelzeit

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Mit dem Seekajak auf Tour im Strelasund

Nachdem ich im letzten Jahr einen Grundkurs zum Seekajakfahren absolviert hatte, hieß es diesmal,  die erworbenen Kenntnisse zu festigen und anzuwenden. Nach einigem Suchen wurde ich im Internet fündig: paddelprofi.de bietet ausgehend von Stralsund Kurse und Touren in den Gewässern um Rügen an. Also: Kontaktaufnahme und Buchung. Unterkunft bot das Bootshaus des Stralsunder Ruder- und Kanuclubs, 5 min vom Badestrand und 10 min von der Altstadt – in idealer Lage also.

Am Montagvormittag ging es los mit Coaching in 2er Gruppe. Auf dem Plan stand Wiederholung der diversen Paddelschläge (Steuern, Stützen, Kanten) sowie Wiedereinstieg mittels Heel Hook und Selbsteinstieg nach Kenterung. Schnell zeigt sich, das die Theorie zwar klar ist, aber übers Jahr dann doch die Praxis fehlt. Also üben, üben, üben! Am Ende sitzen die Handgriffe wieder gut und auch der Selbsteinstieg funktioniert sicher. Am Abend übergibt mir Stefan dann das Boot samt Zubehör für die kommenden Tage zur Nutzung. Da ich allein lospaddeln werde, verabreden wir, daß ich morgens vor dem Losfahren kurz eine Nachricht schicke, was der Plan ist. So weiß er, wohin ich paddeln will und kann ggf. beratend intervenieren. Nach Tourende werde ich mich wieder melden, dann ist klar, daß ich sicher zurück bin.

Rast am Ministrand von Barhöft

Dienstagmorgen: graue Wolken, Windfinder sagt zwei bis drei Stärken aus NNW für den Tag voraus. Der Plan ist von Stralsund gegen den Wind nach Barhöft zu paddeln. Leichte Wellen und leichter Gegenwind sind meine Begleiter auf dem Weg Richtung Norden. Auch der eine oder andere leichte Regenschauer kommt dazu. Warm ist das Wasser im Sund. Es geht vorbei an der Marinebasis, danach passiere ich den ersten Flachwasserbereich am Parower Haken. Die Wolken reißen auf, die Sonne kommt durch. Ich bin mittlerweile zwei Stunden unterwegs und habe den Flundergrund südlich von Barhöft hinter mir gelassen. Voraus sind Der Bock und Hiddensee zu sehen. Links hinter der Landspitze liegt der Barhöfter Hafen, davor der Ministrandbereich ist ein idealer Rastpunkt für die Mittagspause. Zurück geht es mit Rückenwind und Wellenschub, rechtsseitig parallel zum Fahrwasser hinein in den Strelasund. Am Ende sind es mehr als 25 km - nicht schlecht für meine Einstiegstour.
Abends schlendere ich bummelnd durch die historische Altstadt. Laufen lockert die Muskulatur und außerdem lockt die leckere Fischgaststätte am Hafen.


Mittwochmorgen. Windfinder gibt die Prognose 3 in Böen 4 aus NNW und dazu Sonnenschein. Also geht es heute zunächst bei Rückenwind Richtung Südost mit Ziel Deviner Haken. Die Route führt am Stadthafen vorbei, unter dem Rügendamm hindurch, längsseits der Werft nach Devin. Dort ist die Mittagsrast geplant. Vom Strand aus beobachte ich, wie zwei mittelgroße Frachter durch den schmalen Strelasund kurven. Der Deviner Haken und dahinter Marina Neuhof sind in einer halben Stunde erreichbar, dank Rückenwind. Aber rückzu führt der gesamte Weg entgegen Wind und Wellen, mit nur wenig Möglichkeiten zur Rast. Also lasse ich den Haken Haken sein und paddle von Devin dicht unter Land zurück zur Werft und dann unterm Rügendamm hindurch zum Club.

Stralsunder-Altstadtsilhouette

Donnerstag: Schon die ganze Nacht pfeift ordentlicher Wind durch die Bäume am Bootshaus. Morgens auf dem Weg zum Altstadtbäcker gibt es ein sattes Wellenspiel auf dem Sund. Die Segler freut's, für den ungeübten Einzelpaddler heisst es "Safety first". Winderfinder sagt am späten Nachmittag läßt der Wind etwas nach. Also vormittags ausgiebiger Stadt- und Museumsbummel. 17 Uhr setze ich das Kajak am Steg ins Wasser und paddle los Richtung Barhöft. Der Wind ist immer noch ordentlich und pfeift schrill im ausgehobenen Paddelblatt. Nach einer guten Stunde passiere ich den Parower Haken. Direkt von vorn kommt jetzt der Wind. Reichlich 5 km sind es bis Barhöft. Eine Viertelstunde später stelle ich fest, es geht kaum vorwärts - paddeln auf der Stelle! Das macht nicht wirklich Sinn. Also beidrehen und mit Rückenwind und Welle zurück in den Sund. Chillen und Fotografieren im Boot und zuschauen, wie die markante Altstadtsilhouette näher kommt. Paddeln kann so schön sein, wenn Wind und Wellen in der Richtung stimmen.


Freitag - nocheinmal Coaching mit Stefan: Wir entscheiden uns für die "Learing by Paddling"-Variante. Nette Wellen und frischer Wind sind wider da und Stefan startet mit uns zunächst Richtung Norden. Feinschliff an der Paddeltechnik ist das Thema und das immer schön in den Wellen, eingebaute Steuerschläge und kleine Kanten inklusive. Hinter dem Paraower Haken wird beigedreht und mit den Wellen geht es hinüber auf das Rügener Ufer. Nach Mittagsrast und kleiner Paddeltheorieeinheit geht es weiter. Immer voll in den Wellen, mit passablen Surfeinheiten unter dem Rügendamm hindurch in die Wamper Wiek hinein. Von dort paddeln wir wieder voll im Wind nach Dänholm herüber und ich erfahre eindrucksvoll, was es heißt, mit falsch gesetztem Skeg zu fahren. Ein kleiner Hinweis von Stefan und mir wird mein Fehler sofort klar. Learning by Paddling. Schnell sind wir unterm Rügendamm hindurch und munter plaudernd geht es in den Stadthafen hinein. Zum Abschluß gibt es noch die kleine Ehrenrunde auf dem Kanal rund um die Speicherinsel.

So endet eine nette Paddelwoche, mit ersten Einzelfahrten auf dem Sund. Für mich waren es lehrreiche, interessante und erholsame Tage. Ich komme wieder, soviel ist klar. Ziele gibt es genug in nah (Eisdiele Altefähr) und fern (Hiddensee). Die Frage ist, ob nächstes Jahr noch zwei, drei Leute aus dem WSV dabei sein wollen?

Robert R.

Selfie im Boot

(Fotos: privat)

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